Wir haben verlernt zu atmen

„Die Art, wie wir atmen, formt die Art, wie wir leben.“ Was sich oberflĂ€chlich wie ein pseudopoetischer Kalenderspruch liest, fasst der Wissenschaftsjournalist James Nestor in seinem Bestseller „Breath“ als biologisches Grundgesetz zusammen. Denn kaum ein Prozess beeinflusst unsere Gesundheit so tiefgreifend wie der Atem – und dennoch tun wir es meist unbewusst, achtlos, automatisch. Schlimmer noch: Wir haben im Verlauf der modernen Entwicklung verlernt, natĂŒrlich zu atmen.

Aber wie ist das ĂŒberhaupt möglich? Die Antwort liegt nicht in unseren Genen, sondern in unserem modernen Lebensstil.

Weiche Nahrung – harte Konsequenzen

Nestor erklĂ€rt in seinem Buch eindrĂŒcklich, dass unsere SchĂ€del in den letzten Jahrhunderten schmaler geworden sind – nicht durch Evolution, sondern durch ErnĂ€hrung. Industriell verarbeitete, weiche Nahrung reduziert die Kaubelastung, die wir eigentlich brĂ€uchten, um krĂ€ftige Kiefer und damit breite Atemwege auszubilden. Die durch das reduzierte Kauen entstehenden schwĂ€cheren Kiefer und schmaleren Gaumen sind so direkt dafĂŒr verantwortlich, dass Zunge und Atemwege weniger Platz haben. Die Folge: vermehrte Mundatmung.

Mundatmung wirkt unproblematisch – schliesslich machen es viele von uns stĂ€ndig. TatsĂ€chlich jedoch verĂ€ndert sie die Atemphysiologie grundlegend. Der Mund filtert kaum Schadstoffe, trocknet die Atemwege aus und fĂŒhrt dazu, dass wir schneller und flacher atmen. Genau dieser „Überatem“ bringt das chemische Gleichgewicht unseres Körpers durcheinander: Der CO₂-Gehalt im Blut sinkt, die BlutgefĂ€sse verengen sich und paradoxerweise erreicht weniger Sauerstoff die Zellen – obwohl wir mehr Luft einatmen.

Nestor fasst es treffend zusammen: „Wir ersticken in Luft.“ Nicht, weil es uns an Sauerstoff fehlt, sondern weil unser Körper ihn schlechter verwerten kann, wenn wir falsch atmen.

Stress, Haltung, Alltag – ein Trio, das uns die Luft raubt

Auch unser moderner Lebensstil trÀgt zur Fehlatmung bei. Wir sitzen viel, sind einer nie endenden Informationsflut ausgesetzt und schlafen schlechter als je zuvor. Der Körper reagiert darauf mit einer Atemweise, die zu unserem inneren Zustand passt: flach, schnell, hektisch.

Der Atem wird so zum Spiegel eines ĂŒberladenen Alltags – und gleichzeitig zu einem VerstĂ€rker. Je gestresster wir sind, desto schlechter atmen wir. Je schlechter wir atmen, desto gestresster fĂŒhlen wir uns.

Von der Zivilisationskrankheit zur Lösung

Fehlatmung ist lĂ€ngst eine Zivilisationskrankheit und steht in Zusammenhang mit Bluthochdruck, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, AngstzustĂ€nden, Erschöpfung und sogar Zahnfehlstellungen. Die gute Nachricht: Der Atem ist nicht nur das Symptom – er ist auch die Lösung.

Denn im Gegensatz zu fast allen anderen Körperfunktionen können wir ihn bewusst steuern. Wir können lernen, ihn zu beruhigen, zu verlangsamen, zu vertiefen – und damit unser gesamtes System in Balance zu bringen.

„Richtig atmen“, schreibt Nestor, „ist wie das ZurĂŒcksetzen eines vernachlĂ€ssigten Programms – und jeder kann es lernen.“

Der Weg zurĂŒck – Schritt fĂŒr Schritt

Besser zu atmen bedeutet nicht, einfach tief Luft zu holen. Es bedeutet, den natĂŒrlichen Rhythmus des Körpers wiederzufinden – ruhig, rhythmisch, bewusst. Der Weg dorthin beginnt mit Neugier: Wie atme ich eigentlich im Alltag? Und endet mit intuitiver Achtsamkeit – Atemzug fĂŒr Atemzug.

Dazu brauchen wir keine Maschinen, keine Apps, keine teuren GerĂ€te – nur ein paar bewusste Minuten am Tag. Denn der Atem ist das ursprĂŒnglichste Werkzeug, das wir besitzen. Er verbindet Körper und Geist, Kopf und Herz – und erinnert uns daran, dass Ruhe kein Luxus ist, sondern wieder zu einem Naturzustand werden darf.

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Raffael
Raffael

Ich bin Raffael Daniel, Restorative Breathing© Atemtrainer aus ZĂŒrich und ich möchte dir helfen, besser zu atmen. Meine Mission ist Atemarbeit verstĂ€ndlich, nahbar und entmystifiziert zu vermitteln. So, dass du verstehen und entscheiden kannst, wie du deine Atmung fĂŒr dich persönlich als Wundermittel im Alltag nutzen kannst. Meine Arbeit ist nicht dogmatisch, sondern fokussiert auf deine ganz persönliche Atemreise.

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