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Besser atmen heisst nicht „mehr“ atmen
„Atme tief durch!“ – das ist wohl einer der am häufigsten gehörten Ratschläge, wenn wir gestresst sind. Doch was, wenn genau das das Problem ist?
Die Wahrheit ist: Die meisten von uns atmen nicht zu wenig, sondern zu viel. Und das führt paradoxerweise dazu, dass weniger Sauerstoff dort ankommt, wo er gebraucht wird. Die Folge: noch mehr Stress
Klingt komisch? Dann lies weiter.

Warum „mehr“ nicht immer „besser“ ist
Jeder Atemzug versorgt unseren Körper mit Sauerstoff (O₂) und befreit ihn von Kohlendioxid (CO₂). Doch CO₂ ist nicht einfach ein Abfallprodukt – es ist ein Schlüsselspieler im gesamten System.
In unseren roten Blutkörperchen bindet ein Protein namens Hämoglobin den Sauerstoff und transportiert ihn durch den Körper. CO₂ ist dabei essenziell für den Transport: nur dank ihm kann sich Sauerstoff ans Hämoglobin binden und sich danach in die Zellen lösen, wo er gebraucht wird. Wenn wir zu schnell oder auch zu tief atmen – zum Beispiel in Stresssituationen, beim Sitzen vor dem Laptop oder einfach aus Gewohnheit – atmen wir zu viel CO₂ aus. Dadurch gerät unser fein austariertes Gleichgewicht zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid aus der Balance.
Das Ergebnis: die Blutgefässe verengen sich, der Sauerstoff bleibt im Blut „gefangen“ und löst sich weniger gut vom Hämoglobin in die Körperzellen. Unsere Zellen bekommen also bei einer schnellen, intensiven Atmung weniger, nicht mehr, Sauerstoff ab.
Der Bohr-Effekt: Warum CO₂ dein bester Freund ist
Dieses Prinzip nennt man den Bohr-Effekt – und er erklärt, warum CO₂ eben nicht das Problem, sondern Teil der Lösung ist. Ohne CO₂ bleibt der Sauerstoff in den roten Blutkörperchen stecken und gelangt nicht bis dahin, wo er gebraucht wird – in die Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen.
Bedeutet konkret: Je ruhiger und langsamer du atmest, desto besser wird dein Körper dank eines gesteigerten CO₂–Levels mit Sauerstoff versorgt.
Weniger ist mehr

Besser Atmen bedeutet: Qualität vor Quantität. Atme weniger, bewusster, ruhiger.
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Atme weniger – und lebe mehr.